Rechnungskürzungen Die Beilackierung in der Kasko

Autor / Redakteur: Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verkehrsrecht Matthias Nickel, Mayen, www.rae-mayen.de / Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Rechnungskürzungen sind im Bereich der Kaskoversicherung an der Tagesordnung. Besonders häufig sind die Kosten der Beilackierung betroffen, die angeblich nicht versichert sein sollen. Gerade diese Argumentation des Versicherers macht es möglich, die Ansprüche gerichtlich weiter zu verfolgen.

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Auch bei einem Kaskoschaden ist die Beilackierung unter Umständen zu ersetzen.
Auch bei einem Kaskoschaden ist die Beilackierung unter Umständen zu ersetzen.
(Bild: Wenz)

Grundsätzlich muss bei einem Kaskoschaden – anders als im Haftpflichtfall – bei einem Streit über die Schadenhöhe das Sachverständigenverfahren nach A.2.17 AKB durchgeführt werden. In ihm entscheiden dann drei Sachverständige endgültig über die Höhe der Reparaturkosten, wenn diese streitig war. Nachteilig für den Kunden ist das Sachverständigenverfahren vor allem deshalb, weil er dafür von seiner Rechtschutzversicherung keine Deckungszusage erhält. Die Rechtschutzversicherung stellt sich auf den Standpunkt, der Anspruch sei erst dann fällig, wenn das Sachverständigenverfahren durchgeführt wurde. Es sind daher nur wenige Kunden bereit, bei einer Rechnungskürzung das Sachverständigenverfahren auf eigenes Kostenrisiko durchzuführen. Dies macht es auch für die Werkstatt schwierig, die weiteren Reparaturkosten zu realisieren. Sehr oft wird auf eine Geltendmachung gegenüber dem Kunden verzichtet, weil man ihn nicht verärgern will. In der Regulierungspraxis ist also das Sachverständigenverfahren auch aus Sicht des Betriebes nachteilig. Die Kosten der Beilackierung werden im Kaskofall sehr häufig von den Versicherungen nicht übernommen. Interessant ist dabei die Argumentation der meisten Versicherer. Ein Geschädigter musste kürzlich in einem Abrechnungsschreiben seiner Versicherung lesen: „In der Kaskoversicherung ist der erforderliche Aufwand dadurch beschränkt, dass nur die Teile erstattet werden, die bei einem Unfall tatsächlich beschädigt wurden. Eine Beilackierung ist nicht vorgesehen, da hier eine eventuelle Wertminderung mitgezahlt würde. Gemäß Verbraucherinformation ist die Zahlung einer Wertminderung in der Kaskoversicherung ausgeschlossen.“ Der Kaskoversicherer bestreitet also in diesem Fall überhaupt nicht, dass zur Reparatur die Beilackierung erforderlich war, sondern er meint, diese Kosten seien nicht mitversichert. Durch diese Argumentation verlagert sich der Rechtstreit auf eine andere Ebene: Das Sachverständigenverfahren ist dann einschlägig, wenn über die technische Frage gestritten wird, ob eine Reparaturmaßnahme erforderlich war oder nicht. Wenn der Versicherer so argumentiert, dass er die Erforderlichkeit überhaupt nicht in Frage stellt, sondern meint, die Beilackierung sei nicht mitversichert, dann handelt es sich nicht mehr um eine technische Frage, sondern um die Rechtsfrage, ob nach den allgemeinen Versicherungsbedingungen in der Kaskoversicherung (AKB) die Kosten der Beilackierung erstattet werden müssen oder nicht.

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