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Würzburger Karosserie- und Schadenstage Fahrerassistenzsysteme und E-Mobilität: Karosseriebetriebe kämpfen an zwei Fronten

| Autor: Jan Rosenow

Über sinkende Unfallzahlen und die Auswirkungen der Elektromobilität diskutierte die Branche bei den Würzburger Karosserie- und Schadenstagen – live in Würzburg und deutschlandweit im Internet.

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Zum Schutz vor Infektionen fanden die Würzburger Karosserie- und Schadenstage 2020 überwiegend unter freiem Himmel statt.
Zum Schutz vor Infektionen fanden die Würzburger Karosserie- und Schadenstage 2020 überwiegend unter freiem Himmel statt.
(Bild: Rainer Wengel)

Die Würzburger Karosserie- und Schadenstage haben sich in den letzten Jahren zum wichtigsten Kongress für die Unfallreparaturbranche entwickelt und zuletzt mehr als 1.000 Fachbesucher nach Würzburg gelockt. Ursprünglich für März 2020 geplant, mussten sie wegen der Corona-Pandemie verschoben werden und fanden nun am 11. und 12. September statt – und zwar als Hybrid-Event mit einer Präsenzveranstaltung in Würzburg und einer parallelen Liveübertragung im Internet.

Mit einem umfassenden Hygienekonzept hat der Veranstalter, die Vogel Communications Group mit ihrer Medienmarke »Fahrzeug + Karosserie«, die Gesundheit der aus ganz Deutschland angereisten Teilnehmer sichergestellt. In enger Abstimmung mit dem Gesundheitsamt der Stadt Würzburg konnte die Tagung trotz der in Würzburg geltenden Kontaktbeschränkungen durchgeführt werden. Eine Beschränkung der Teilnehmerzahl war leider unumgänglich.

Würzburger Karosserie- und Schadenstage 2020: Das Vortragsprogramm
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Für Ingo Mahl, Chief Product Officer bei der Vogel Communications Group, zeigt das trotzdem, dass Live-Events auch unter Corona-Bedingungen eine Zukunft haben: „Das Bedürfnis im Kfz-Gewerbe nach persönlicher Begegnung wächst. Nach vielen Monaten des nahezu vollständigen Fehlens von Livekommunikation und persönlichem Austausch hat die Vogel Communications Group mit den Würzburger Karosserie- und Schadenstagen erfolgreich gezeigt, dass wir dies wieder ermöglichen können. Mit einem Hygienekonzept, das höchsten Ansprüchen genügt, um die Gesundheit der Teilnehmenden zu gewährleisten! Zugleich bieten wir für alle, die nicht persönlich teilnehmen können, ein digitales Livestreaming der Veranstaltung an, um dem Event online zu folgen.“

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Wie immer bestanden die Würzburger Karosserie- und Schadenstage aus zwei Programmteilen: dem „Schadenstag“, in dem die rechtlichen Grundlagen der Unfallreparatur behandelt wurden, und dem „Karosserie- und Lacktag“, an dem der inhaltliche Fokus auf der Technik lag und Livevorführungen und Reparaturtipps das Programm bereicherten.

Immer mehr Auseinandersetzungen um die Fahrzeugelektronik

Am Schadenstag referierten mehrere hochkarätige Juristen über aktuelle Urteile sowie die gesetzgeberischen Grundlagen, die die Unfallschadenreparatur beeinflussen. Zu den Referenten gehörte mit Thomas Offenloch ein Richter am Bundesgerichtshof – und zwar am VI. Zivilsenat, dem „Haftpflichtsenat“ des BGH, der sich unter anderem mit dem Verkehrsunfallrecht befasst. Der Vortrag erläuterte den Teilnehmern wichtige Entscheidungen zu den Haftungsgrundlagen und insbesondere zum Sachschadenrecht.

Rechtsanwalt Dr. Kurt Reinking verwies in seinem Vortrag auf die immer zahlreicheren juristischen Auseinandersetzungen wegen Elektronikmängeln. Der Kunde hat bei Fahrerassistenzsystemen schließlich den gleichen Anspruch auf eine fehlerfreie Funktion, wie er das auch bei der Hardware des Automobils hat. Auch dürfte bei der Suche nach Unfallursachen zukünftig häufiger die Frage auftauchen, ob die Fahrerassistenzsysteme nach Vorschrift funktioniert haben – vor allem, wenn automatisierte Fahrfunktionen vorhanden sind.

Schützen Sie Ihre Daten – das Gesetz tut es nicht!

All diese Systeme erzeugen zudem riesige Datenmengen, was zur Frage führt, welche Rechte der Fahrzeugbesitzer oder dritte Parteien an diesen Daten haben. Der Experte für IT-Recht Prof. Eric Hilgendorf überraschte sicher viele Teilnehmer mit der Aussage, dass die Datenschutz-Grundverordnung sich lediglich auf personenbezogene Daten bezieht, nicht aber auf solche, die beispielsweise im Auto durch Telematik erfasst werden oder in Kfz-Betrieben bei Diagnose oder Reparatur entstehen. Zudem kennt das deutsche Recht kein Eigentum an Daten. Wem sie also gehören und welche Sanktionen Dritte bei eigenmächtiger Nutzung fremder Datenbestände befürchten müssen, ist derzeit weitgehend ungeklärt – die Justiz betritt hier Neuland.

Zu den interessantesten Technikvorträgen gehörte der Beitrag, den Dr. Ingo Weber, Gruppenleiter Baukasten Radar beim Autohersteller BMW, und seine Kollegin Claudia Stephan, verantwortlich für die Lackfreigabe beim Münchner Hersteller, gemeinsam per Videoübertragung beisteuerten. Denn hier ging es um die Frage, warum bei modernen Fahrzeugen mit Fahrerassistenzsystemen unter Umständen keine Reparaturlackierung erlaubt ist, sondern ganze Bauteile ausgetauscht werden müssen.

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Über den Autor

 Jan Rosenow

Jan Rosenow

Ressortleiter Service & Technik, Vogel Communications Group