Fahrzeugdaten Telematik und Menschenverstand: DAT erschließt sich zwei neue Datenquellen

Von Jan Rosenow

Zwei Jahre nach Übernahme des Start-ups High Mobility stellt die Deutsche Automobiltreuhand nun die ersten Dienstleistungen auf Basis von Telematikdaten vor. Und sichert sich gleichzeitig den Zugang zu einem Netzwerk von Kfz-Mechatronikern.

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Auch die Schadenkalkulationssoftware Fasttrack AI von DAT kann künftig durch Live-Fahrzeugdaten angereichert werden.
Auch die Schadenkalkulationssoftware Fasttrack AI von DAT kann künftig durch Live-Fahrzeugdaten angereichert werden.
(Bild: DAT)

Daten sind die Geschäftsgrundlage der Deutschen Automobiltreuhand (DAT). Doch bislang beschränkte sich das Unternehmen im Wesentlichen auf „statische“ Daten aus Reparaturunterlagen, Teilekatalogen und Ähnlichem. Dass dies in der heutigen, vernetzten Automobilwelt nicht mehr ausreicht, ist dem Unternehmen längst klar. Denn im Fahrzeug erzeugte Daten, die live abrufbar sind, machen zahlreiche neue Geschäftsmodelle möglich und können auch das Kerngeschäft der DAT, die Kalkulation von Reparaturen, beflügeln.

Deshalb hat sich das Unternehmen vor gut zwei Jahren an dem Start-up High Mobility beteiligt, das als Mittler zwischen den Bereitstellern der Telematikdaten – den Autoherstellern – und dritten Parteien dient und diese Daten für Anbieter von Mobilitätsleistungen nutzbar macht. Auf einer Online-Pressekonferenz hat die DAT nun erste konkrete Anwendungsfälle dazu genannt.

Aborate richtet sich nach der tatsächlichen Fahrleistung

Darunter sind mehrere datengetriebene Dienste, die der Autoabo-Spezialist Vive La Car auf Basis von Daten, die High Mobility zur Verfügung stellt, anbieten kann. So gibt es bei dem Unternehmen beispielsweise ein flexibles Abomodell, bei dem die Monatsrate live nach der jeweiligen Kilometerleistung des Fahrers berechnet wird. Dieses Bezahlmodell bietet Viva La Car derzeit unter anderem im Rahmen des „Junge-Sterne-Abos“ an, das das Unternehmen gemeinsam mit Mercedes-Benz entwickelt hat. Es steht aber auch allen anderen Marken zur Verfügung.

Eine weitere Dienstleistung ist die Überwachung der Abofahrzeuge im Rahmen eines Geofencing. Hier bekommt der Betreiber ein Signal, wenn das Fahrzeug den erlaubten geografischen Bereich verlässt (beispielsweise ins Ausland gefahren wird). Dienstleistungen von High Mobility können darüber hinaus Telematikverträge von Versicherern möglich machen, Flottenbetreibern Kontakt zu ihren Fahrzeugen gewährleisten und auch Kfz-Betrieben bei der Betreuung ihrer Kunden helfen – und das, ohne dass ein OBD-Dongle oder ein anderes Gerät ins Auto eingebaut werden muss.

Autohersteller sind mit Daten unterschiedlich freigiebig

Dafür hat High Mobility bereits Vereinbarungen zur Datenlieferung mit 14 Automobilherstellern geschlossen, darunter alle deutschen Premiumfabrikate, die Stellantis-Marken und Ford. Volkswagen, Renault, Tesla sowie die asiatischen Importeure fehlen noch, sollen aber ebenfalls angeschlossen werden. DAT ist auch an neuen Anbietern wie Great Wall, MG-SAIC und Lynk & Co „dran“.

Die Software von High Mobility kann bis zu 600 Datenpunkte verarbeiten, derzeit werden bereits 385 genutzt. Die Anzahl der Datenpunkte ist dabei je nach Hersteller sehr unterschiedlich: Stellantis beispielsweise stellt rund 200 Größen oder Werte bereit, Mercedes-Benz nur 80.

High Mobility sieht sich nicht selbst als Anbieter von Dienstleistungen, sondern stellt lediglich die Datenbasis bereit. Besonders stolz ist das Unternehmen auf seine Simulationssoftware, mit der sich die Produktentwicklung unterstützen lässt, ohne dass Kontakt zu echten Autos besteht.

Noch kein Rückkanal ins Fahrzeugdisplay verfügbar

Natürlich ist auch die DAT selbst höchst interessiert an den Daten von High Mobility und will diese verwenden, um ihre eigenen Produkte zu verbessern. So ließe sich beispielsweise die Schadenkalkulation durch Bildauswertung, die die Schwaben gerade unter der Marke Fasttrack AI auf den Markt bringen, deutlich genauer gestalten, wenn zusätzlich auch Daten von Fahrzeugsensoren vorlägen. Weitere Ideen für telematikgetriebene Dienstleistungen könnte ein Batteriecheck im Rahmen der Fahrzeugbewertung von Elektroautos sein oder ein Livecheck des aktuellen Ausstattungs- und Softwarestands bei vernetzten Autos.

Der wünschenswerte Rückkanal ins Fahrzeug, mit dem beispielsweise freie Werkstätten dem Fahrer über das Display Werkstatttermine vorschlagen können, ist aber auch mit High Mobility noch nicht möglich. Hierzu fehlt es den Autoherstellern noch an Schnittstellen.

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