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Kommentar Virusexperten aus Langenfeld

| Redakteur: Dipl. Ing. (FH) Konrad Wenz

Die Sachbearbeiter des Prüfdienstleisters Control Expert aus Langenfeld setzen sich im Auftrag der Allianz über die gängige Expertenmeinung zur Infektion mit SARS-CoV-2-Viren hinweg.

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Konrad Wenz, Chefredakteur »Fahrzeug+Karosserie«
Konrad Wenz, Chefredakteur »Fahrzeug+Karosserie«
(Bilder: VCG/Wenz)

Ein uns übermittelter Prüfbericht des Langenfelder Unternehmens Control Expert im Auftrag der Allianz zeigt einmal mehr, dass die Versicherungswirtschaft bei der Schadenabwicklung eine gewisse Willkür walten lässt. Mit dem Hinweis, dass „Virologen eine Ansteckung durch Oberflächenkontakt für extrem unwahrscheinlich halten und übervorsorglich das Waschen der Hände empfehlen“, erhielt ein Karosserie- und Lackbetrieb im Südwesten von Deutschland (SPN-Partnerbetrieb) kürzlich die Ablehnung der Kostenübernahme einer Fahrzeugdesinfektion in einem nicht gesteuerten Kaskofall. Diese Ablehnung sprach der Prüfdienstleister Control Expert im Auftrag der Allianz aus.

Das renommierte Robert-Koch-Institut (RKI) sieht das anders. Hier heißt es in einer Erklärung zu den Infektionswegen: „Eine Übertragung durch kontaminierte Oberflächen ist insbesondere in der unmittelbaren Umgebung des Infizierten nicht auszuschließen, da vermehrungsfähige SARS-CoV-2-Viren unter bestimmten Umständen in der Umwelt nachgewiesen werden können.“ (Quelle: RKI)

Genau deswegen nehmen wir alle die Empfehlungen der Virologen ernst, und desinfizieren beziehungsweise waschen uns die Hände, wenn wir beispielsweise den Einkaufswagen durch den Supermarkt geschoben haben – manche tragen hierfür sogar Einweghandschuhe. In München (Sitz der Allianz) scheint das noch nicht angekommen zu sein. Ansonsten dürfte eine solche Prüfvorgabe an das Langenfelder Unternehmen nicht existieren.

HUK-Coburg und HDI zahlen seit dem 1. Mai pro gesteuerten Schaden eine temporäre Pauschale von 45 Euro (HUK), beziehungsweise 50 Euro (SSV). Bei von der SPN (Schadensteuerer der Allianz) gesteuerten Schäden werden Corona-Maßnahmen übrigens auch bezahlt. Die Anfrage, ob sich die HUK im nicht gesteuerten Schaden ähnlich verhalte wie die Allianz blieb bisher unbeantwortet. Gerald Beese, Geschäftsführer der SSV Schadenschutzverband GmbH (Schadensteuerer der HDI), erklärt: „Im Rahmen der Kooperation „SSV Schaden-Service" erstatten wir exklusiv unseren SSV-Partnerwerkstätten eine unbürokratische und nicht-spezifische „Corona-Pauschale" in Höhe von 50 Euro (netto) je Reparaturfall ohne Anerkennung einer Rechtspflicht. Diese gilt für alle K&L-Reparaturen mit Reparatur-Beginn zwischen dem 1.4.2020 und dem 31.5.2020."

Noch eine Anmerkung: Auch die HUK-Coburg arbeitet mit dem Langenfelder Prüfdienstleister zusammen. Das heißt, die Sachbearbeiter bei Control Expert müssten es eigentlich besser wissen. Allerdings wissen wir – wie oben erwähnt – derzeit nicht, ob die Corona-Maßnahmen von der HUK im nicht gesteuerten Fall ebenso unbürokratisch übernommen werden, wie in der Presseerklärung zur Unterstützung der Partnerwerkstätten angekündigt.

Nun, der K&L-Betrieb aus dem Südwesten Deutschlands will diese Kosten an den Kunden weitergeben. Der wird sich wahrscheinlich über das Verhalten seines Versicherers wundern – wenn die Allianz Glück hat. Für manchen Versicherungsnehmer könnte dies vielleicht ein Kündigungsgrund sein.

Der Unternehmer und SPN-Partnerbetrieb, der im Grunde genommen sehr zufrieden mit der Schadensteuerung ist, hat sich jedenfalls schon gewundert: „Dass gesteuerte und ungesteuerte Schäden vom gleichen Versicherer unterschiedlich behandelt werden, haben wir auch schon in anderen Bereichen erlebt, beispielsweise bei von Lieferanten erhobenen Lieferpauschalen. Bei Desinfektionsmaßnahmen aufgrund einer Pandemie hat uns dieses Verhalten mehr als überrascht“, erklärte er gegenüber der »Fahrzeug+Karosserie«.

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