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Schadentalk Weniger Volumen – mehr gesteuerte Unfallschäden?

Autor: Dr. Holger Schweitzer

Über drei Stunden diskutierten Experten der Unfallschadenbranche beim gestrigen Schadentalk über aktuelle Entwicklungen und Trends im Schadenmarkt. Von Vertretern der Schadensteuerung und Branchenverbänden bis hin zu Betriebsinhabern beleuchteten die Fachleute die brisanten Themen des Unfallschadengeschäfts. Die Auswirkungen der Coronakrise kamen dabei ebenso zur Sprache wie Investitionskosten und die Digitalisierung von Werkstattprozessen.

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Der Schadentalk 2020, moderiert von Christian Simmert, Chefredakteur der Schadennews, und Konrad Wenz, Chefredakteur von »Fahrzeug + Karosserie«, fand in der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen in Dresden statt.
Der Schadentalk 2020, moderiert von Christian Simmert, Chefredakteur der Schadennews, und Konrad Wenz, Chefredakteur von »Fahrzeug + Karosserie«, fand in der Gläsernen Manufaktur von Volkswagen in Dresden statt.
(Bild: Twinmedia)

Intensive und kritische Diskussionen über Entwicklungen im Unfallschaden gehören zum Markenzeichen des Schadentalks. In diesem Jahr standen zudem die Auswirkungen der Coronakrise auf die wirtschaftliche Lage der K&L-Betriebe auf dem Programm. Wie die beiden Moderatoren und Chefredakteure Christian Simmert (Schadennews) und Konrad Wenz (»Fahrzeug + Karosserie«) aufzeigten, schrumpfte der Schadenmarkt im Frühling während des Lockdowns um knapp 20 Prozent. Ein Einbruch, den auch die in der Diskussionsrunde sitzenden Vertreter von Versicherern und Schadensteuerern bestätigten. So erklärte etwa Thomas Geck, Leiter des Schadenprozessmanagements der HUK-Coburg, dass der höchste Einbruch im Frühjahr bei etwa 25 Prozent lag. Mittlerweile habe sich der Wert bei etwa fünf Prozent unter dem Vorjahresniveau eingependelt, so Geck.

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Das Flottengeschäft leidet mehr

Auch Matthew Whittall, CEO bei der Innovation Group, erklärte, dass man zu Beginn der Pandemie mit schlimmeren Auswirkungen auf das Unfallgeschäft gerechnet habe bis hin zu Insolvenzen und einbrechender Ersatzteilversorgung. Mittlerweile habe sich das Geschäft im Privatkundensektor zwar stark erholt, liege jedoch noch immer etwa 10 Prozent hinter dem vor der Krise zurück. Er sieht es zudem als unwahrscheinlich, dass das ehemalige Niveau wieder erreicht wird. Für die Zukunft geht der Innovation-Group-Chef dennoch davon aus, dass das gesteuerte Geschäft wachsen wird und dass mehr Policen mit Werkstattbindung verkauft werden. „Der Anteil an gesteuerten Schäden wird stärker zunehmen als der Gesamtmarkt schrumpft“, so Whittall.

Anders beim Flottengeschäft. Hier rechnet Whittall damit, dass das Flottengeschäft 2021 stärker rückläufig sein wird als im Versicherungsbereich, da aufgrund der Coronakrise weiter Stellen abgebaut werden dürften und damit der Anteil an geschäftlich genutzten Fahrzeugen schrumpfen dürfte. Vor allem bei großen Flottenkunden erwartet die Innovation Group laut ihrem Geschäftsführer härtere Zeiten. Wie Simmert dazu resümierte, könne es für Betriebe mit Flottenkunden sinnvoll sein, das Kundenportfolio vorausschauend zu prüfen und sich zu diversifizieren.

Hilfsmaßnahmen nur bedingt angenommen

Auf die Frage der Moderatoren, wie die Corona-Hilfsmaßnahmen der Versicherer und Schadensteuerer angenommen wurden, erklärten beispielsweise Geck und Whittall, dass Betriebe diese kaum in Anspruch genommen hätten. So hätten beispielsweise HUK-Partnerbetriebe den Reparaturkostenvorschuss vor allem zu Beginn der Krise genutzt – mittlerweile jedoch kaum noch, da einerseits wieder mehr Unfälle in die Werkstätten kämen und der Verwaltungsaufwand zu hoch sei, so Geck. Auch Ludger Kersting SPN-Geschäftsführer und Leiter des Bereichs Automobile Dienste beim ADAC, berichtete, dass lediglich 30 Prozent der Betriebe die angebotene Desinfektionspauschale in Anspruch genommen hätten.

Peter Börner, Präsident Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik ergänzte, dass, obwohl Versicherer einerseits Hilfsmaßnahmen anboten, beispielsweise die Fahrzeugdesinfektion oder die kontaktlose Schlüsselübergabe gekürzt wurden. Dies seien jedoch erforderliche Posten auf den Rechnungen und müssten bezahlt werden, so Börner.

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Über den Autor

Dr. Holger Schweitzer

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Redakteur, Ressort Technik, Vogel Communications Group GmbH & Co. KG