Rechnungskürzung Wer sich wehrt, bekommt Recht

Wie umgehen mit einer Rechnungskürzung – dieser Frage ging der gestrige Schadentalk nach. Das zu erwartende Resümee der Talkgäste: Sich wehren!

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Betriebe sollten Rechnungskürzungen durch Versicherer und ihre Prüfdienstleister nicht einfach akzeptieren.
Betriebe sollten Rechnungskürzungen durch Versicherer und ihre Prüfdienstleister nicht einfach akzeptieren.
(Bild: Wenz)

Rechnungskürzungen sind nach wie vor ein großes Ärgernis für Werkstätten in der Unfallinstandsetzung. Fast täglich müssen sich die Betriebe damit auseinandersetzen. Betriebe, die den einfachsten Weg gehen und den Fehlbetrag ausbuchen, kostet das sehr viel Geld. Betriebe, die sich zur Wehr setzen, kostet es sehr viel Zeit – und wenn es ganz dumm läuft, investieren die Betriebe Zeit und Geld in einen Rechnungskürzungsvorgang. Trotzdem sollten sie sich eine vom Versicherer bzw. dessen Prüfdienstleister vorgenommene Rechnungskürzung auf keinen Fall gefallen lassen – zu diesem Ergebnis kam die Diskussionsrunde im zweiten Schadentalk des Jahres am gestrigen Spätnachmittag.

Die Web-TV-Veranstaltung behandelte die Themen Rechnungskürzung und Regressansprüche gegen die Werkstatt. Schadennews.de übertrug diesmal aus dem Leipziger K&L-Betrieb Isicar. Mit Chefredakteur Christian Simmert diskutierten:

  • Thomas Aukamm, Hauptgeschäftsführer Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF)
  • Henning Hamann, Verkehrsfachanwalt und Geschäftsführer der Kanzlei Voigt Rechtsanwälte
  • Maximillian Mälzer, Betriebsführer Isicar Leipzig

Laut einer Umfrage von Schadennews.de haben rund 93 Prozent der K&L-Betriebe regelmäßig mit dem Thema Rechnungskürzung zu tun. Dreiviertel der an der Umfrage teilnehmenden Betriebe gab an, zwischen ein bis zehn Kürzungsschreiben im Monat auf den Schreibtisch zu bekommen. Bei rund vier Prozent seien es sogar zwischen 30 und 100 Kürzungsberichte. im Durchschnitt werden laut der Umfrage der Leipziger zwischen 100 und 500 Euro gekürzt. Dabei seien die Allianz, die HUK Coburg und die VHV am aktivsten.

Trotz vieler, und von Rechtsanwälten und Verbänden immer wieder wiederholter Aufrufe, es nicht zu tun, nehmen rund Dreiviertel der Betriebe Kontakt mit dem Rechnungskürzer auf, und argumentieren, warum eine Reparaturposition notwendig war. Ein Weg, den auch Maximillian Mälzer eingeschlagen hat, wie er auf Nachfrage mitteilte. Hierzu sagte Thomas Aukamm: „Das haben wir auch im ZKF versucht. Wir haben Mitarbeiter, die in der Lage sind, fachlich zu argumentieren.“ Das habe aber keinen Wert, weil bei den Kürzungsunternehmen der Sach- und Fachverstand einfach nicht vorhanden sei. Deshalb bliebe in den meisten Fällen nur der Weg zum Anwalt – und da heiße es in der Regel: „Sobald das Thema Klage auf den Tisch kommt, zahlen die Versicherer.“

Rechtsanwalt Henning Hamann appellierte an die K&L-Betriebe im Haftpflichtfall den Schaden niemals selbst über einen Kostenvoranschlag zu kalkulieren – was aber laut der Schadennews-Umfrage rund 77 Prozent der Betriebe tun. Vor Gericht halte nur das Schadengutachten des unabhängigen Sachverständigen stand – das heißt, wenn es ohne ein entsprechendes Schadengutachten und den Werkstattauftrag mit Verweis auf das Gutachten zum Streit kommt, haben der Geschädigte und die Werkstatt die schlechteren Karten.

Der Versicherer führe dann die Regie und bestimme, was gekürzt wird, so Hamann. Dabei sollten sich die Werkstätten klar machen: „Versicherer kürzen nicht die Rechnung der Werkstatt, sondern den Anspruch des Geschädigten. Und dazu haben sie kein Recht", führte der Rechtsanwalt aus.

Wenn Geschädigter und Werkstatt im Haftpflichtfall den rechtlich möglichen Weg gehen, könne nichts schiefgehen und eine Rechnungskürzung laufe ins Leere. Der Weg bedeutet: Ein unabhängiger Sachverständiger erstellt das Schadengutachten, Kunde gibt die Unfallinstandsetzung gemäß Gutachten in Auftrag, Rechnung wird aufgrund des Gutachtens erstellt.

Dies spielt auch eine große Rolle für den zweiten Themenblock des Schadentalks: Der Regress gegen die Werkstatt. Immer häufiger kommt es vor, dass Versicherer, die mit einer Rechnungskürzung nicht landen konnten, nach vollständiger Bezahlung des Schadens die Werkstatt in Regress nehmen (»F+K« berichtete). Auch hierbei berufen sich die Versicherer dann auf die Prüfberichte ihrer Dienstleister. Kann die Werkstatt dann belegen, dass sie nach Gutachten eines Sachverständigen repariert hat, laufen auch diese Forderungen der Versicherungen in der Regel ins Leere. Die besondere Crux hierbei: Die Regressansprüche verjähren erst nach drei Jahren. Die Kanzlei Voigt habe aktuell über 150 Fälle in dieser Thematik. Das sei Rechnungskürzung durch die Hintertür resümierte Hamann.

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